Presse-Berichte:

18.11.2012 15:22 Uhr, Schweinfurt
EINE GROSSE LIEBE
werneck Bis vor kurzem bot das Haus Meininger Straße 10 einen traurigen Anblick.

Dr. Sybille Kapp ließ nicht nur die Fassade neu streichen und im Erdgeschoss geteilte Fenster einbauen, die mit den Originalfenstern im ersten Stock harmonieren. Obwohl sie selbst nicht in Werneck lebt und nur ein paar Mal im Jahr zu Besuch kommt, ließ sie das Jugendstil-Ornament neu erstehen. In Matthias Vogt fand sie den richtigen Mann dafür. Der Wernecker Maler- und Verputzermeister hatte Anfang der 70er Jahre bei dem Mann gelernt, der das Ornament geschaffen hatte. Julius Wolf senior aus der Wernecker Künstlerfamilie Wolf war schon ein sehr betagter Mann, aber er brachte dem jungen Stift die Grundkenntnisse über die alten Techniken bei.

Aber erst einmal zurück zu Sybille Kapp, die heute in Freising bei München lebt und nur noch zu Besuch nach Franken kommt, genauer gesagt in das Haus ihrer Urgroßeltern, das ihr so viel bedeutet, dass sie seinem traurigen Zustand ein Ende setzte.

Sybille Kapp wird 1953 in Werneck geboren und verbringt viel Zeit bei den Großeltern August und Maria Blodau. Die beiden lassen ihr viel Freiheit. Sybille spielt im Garten hinter dem Haus, streunt über die Wiesen, im Winter läuft sie auf dem See Schlittschuh. Schon als Kind liebt sie das Haus mit seinem schönen Ornament, empfindet es als etwas ganz Besonderes, als wichtigen Teil der Familiengeschichte.

Erbaut wird es 1895 von ihren Urgroßeltern. Die Urgroßmutter Katharina, geborene Schäfer, stammt aus einem kleinen Dorf nahe Arnstein. In Werneck lernt sie Karl Blodau kennen, einen jungen Schneidermeister aus Ostpreußen, der auf Wanderschaft gegangen war und im Wernecker Schloss Arbeit gefunden hat. Die beiden verlieben sich, heiraten und weil Katharina geerbt hat, können sie das stattliche Haus bauen. 1899 lassen sie das Ornament-Band im Brüstungsbereich des ersten Obergeschosses anbringen, 1929 wird es an der Seite zum Hof erweitert.

Vertrautes Altrosa

In den dreißiger Jahren übernimmt Großvater August Blodau das Haus, Tochter Thea wird hier geboren, die Mutter von Sybille Kapp, an die sich viele Wernecker noch erinnern, obwohl sie heute in Nürnberg lebt. Ein paar Mal im Jahr fährt sie mit ihrer Tochter nach Werneck, trifft Schulfreundinnen und Verwandte. Das Haus, das seit kurzem wieder im vertrauten Altrosa strahlt, wird an diesen Tagen zum Treffpunkt der ganzen Familie.

Die Entscheidung zur aufwändigen Sanierung fiel Sybille Kapp leichter, als klar war, dass die Umgehung gebaut wird und sie einen Zuschuss aus der Ortskernsanierung erhält. Für Malermeister Matthias Vogt war der Auftrag eine Herausforderung. Zu selten wird heute in der alten Graffito-Technik gearbeitet. Grundlage ist ein besonderer Putz. Ungelöschter Kalk wird mit Wasser gelöscht und für zwei Jahre luftdicht verpackt. In dieser Zeit sumpft er ein, wird geschmeidig, bekommt erst in Verbindung mit Luft seine besondere Härte. Dieser Putz wird mit Sand und Pigmenten vermischt und in mehreren Schichten nass in nass aufgetragen. Schon nach einer Stunde kann Matthias Vogt die oberste helle Schicht abkratzen und die darunter liegende oxydrote Farbschicht freilegen. Das Ornament - stilisierte Blüten und Blätter - bleibt quasi erhaben stehen. Noch brausen Tausende Fahrzeuge täglich an dem Haus vorbei. Lärm und Abgase machen das Wohnen schwer erträglich. Mit der Aussicht auf die Umgehung

Quelle: mainpost.de
Autor: Von unserem Redaktionsmitglied Katharina Winterhalter
Artikel: Eine große Liebe


Pressebericht aus Fachzeitschrift
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